Die geheime Schwester
Zivilcourage am Ende des Zweiten Weltkriegs
Von Ute Lieschke
In den letzten Kriegsmonaten entscheidet sich Lies Irrlitz, ein fremdes jüdisches Mädchen bei sich aufzunehmen, um es vor der Deportation zu retten. Was bringt Menschen dazu, ihr Leben für andere zu riskieren? Wäre man selbst bereit, ein solches Risiko einzugehen?
Im Februar 1945 steht die neunjährige Eva gemeinsam mit ihrer jüdischen Mutter kurz vor der Deportation. Es ist die finale „Säuberung“ der Nationalsozialisten in Leipzig. Der Zug fährt mit den letzten verbliebenen jüdischen Leipzigerinnen und Leipzigern und deren Kindern nach Theresienstadt, jedoch ohne Eva. In einer kleinen Leipziger Siedlung bekommt Gerd Irrlitz eine geheime Schwester. 90-jährig blickt der Philosoph auf die damalige Zeit zurück und erzählt von dem Mut seiner Mutter, die sich gegen die Bedenken des Vaters durchsetzte. Das damals versteckte Mädchen ist die Musikwissenschaftlerin Eva-Maria Hillmann. Sie lebt heute im sächsischen Waldheim und musste das Grauen, das ihre Mutter in Theresienstadt durchstand, nicht erleben. Wie schauen die beiden Wahlgeschwister auf die gemeinsamen Erlebnisse, und wie sehr haben sie die Zeit und das Verhalten ihrer Eltern geprägt?

